Selbstfürsorge im Alltag

Selfcare. Dieses Wort begegnet einem überall. Auf Instagram, in Magazinen, in Podcasts und meistens sieht es so aus: lange Bäder, Gesichtsmasken, Meditationskissen, Yogamatten. Schön anzuschauen, aber für viele von uns so weit weg vom echten Alltag, dass man das Wort irgendwann am liebsten gar nicht mehr hören möchte.

Die Realität sieht oft anders aus: Du hast keine Zeit, keine Energie, keinen Moment, der wirklich nur dir gehört, bevor nicht alles andere erledigt ist. Und wenn dann doch mal fünf Minuten übrig sind, weißt du oft nicht mal mehr, was dir überhaupt gut tut, weil du es so lange nicht mehr gemacht hast oder weil du geschafft vom Tag bist und im Grunde nur noch deine Ruhe haben möchtest.

Ich kenne das aus meinem eigenen Alltag nur zu gut. Ich pflege seit über 23 Jahren, organisiere, funktioniere und habe mich lange ganz hinten angestellt und keine Zeit für Selfcare gehabt. Dachte ich zumindest.

Bis ich irgendwann gemerkt habe, dass Selfcare nicht eine Stunde braucht, das man keine große Vorbereitung braucht und nicht den richtigen Moment.

Selfcare im Alltag bedeutet nicht, alles zu stoppen. Es bedeutet, mitten im Sturm kurz durchzuatmen und das reicht manchmal schon.

In diesem Artikel zeige ich dir, was ich wirklich tue, wenn keine Zeit da ist. Fünf konkrete Dinge, die in fünf Minuten oder weniger funktionieren, alltagstauglich und ohne dass du dafür irgendetwas brauchst, was du gerade nicht da hast.

Bevor ich dir zeige, was mir hilft, möchte ich kurz bei dem bleiben, was viele von uns wirklich aufhält. Denn das Problem ist selten die fehlende Zeit allein.

Das eigentliche Problem ist oft das schlechte Gewissen, dieses innere Gefühl was einem sagt, du musst erst alles erledigt haben, die KInder müssen versorgt sein, der Haushalt perfekt sauber und dann irgendwann komme ich.

Für pflegende Angehörige, für Mütter, für Frauen, die viel Verantwortung tragen, ist dieses Gefühl oft besonders laut. Weil der Alltag so voll ist, dass jede Minute, die man für sich nimmt, irgendwo anders fehlt. Zumindest fühlt es sich so an.

Aber hier ist die Wahrheit: Selfcare ist keine Belohnung für erledigte Arbeit. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass du die Arbeit überhaupt erledigen kannst. Wer dauerhaft auf Reserve läuft, kann irgendwann gar nichts mehr geben, weder sich selbst noch anderen.

Und noch etwas: Selfcare muss sich nicht nach Wellness anfühlen,sie muss sich nach dir anfühlen. Nach dem, was dir in diesem Moment gut tut und das kann sehr klein sein.

→  Lies gern meinen Artikel Du bist nicht faul – du bist erschöpft dazu.

Ich teile hier keine Tipps, die ich irgendwo gelesen habe. Sondern ich teile das, was ich selbst in meinem Alltag umsetze, an Tagen, an denen die Zeit knapp ist, die Energie noch knapper und das schlechte Gewissen an einem nagt.

Fünf Dinge, die immer gehen. Immer.

Drei tiefe Atemzüge – bewusst und langsam

1–2 Minuten · diese sind überall möglich

Das klingt simpel, aber glaub mir, es wirkt. Drei bewusste, tiefe Atemzüge sind das Mächtigste, was du in unter zwei Minuten für dich tun kannst. Nicht weil es ein Geheimnis ist, sondern weil es direkt in dein Nervensystem eingreift.

Wenn wir gestresst sind, atmen wir flacher und schneller. Das signalisiert dem Körper: Stress. Ein tiefer langer Atemzug, sagt ihm genau das Gegenteil: Du bist entspannt.

Übung: Atme für vier Sekunden durch die Nase tief in den Bauch ein, halte für zwei Sekunden die Luft an und atme durch dem Mund 6 Sekunden wieder aus. Das ganze wiederhole 3 mal und dann spür, was passiert.

Man fühlt sich danach leichter und entspannter an und es macht einen riesen Unterschied zu vorher.

Was das ganze noch effektiver macht: Wenn du magst, kombiniere die Atemübung mit einem Tropfen ätherischen Öls auf den Handgelenken – Lavendel oder Bergamotte wirken beruhigend und machen den Moment besonders. 👉 [Affiliate-Link: Ätherisches Öl Lavendel z.B. bei Amazon]

Zwei Minuten raus – Fenster auf, Luft rein

2 Minuten · zu Hause, im Büro, überall

Wenn alles zu eng wird, gehe ich kurz raus. Nicht für einen Spaziergang – dafür ist keine Zeit. Aber für zwei Minuten frische Luft schon. Fenster auf, Augen zu, tief einatmen. Oder kurz vor die Tür treten und einfach den Himmel ansehen.

Frische Luft und Tageslicht sind das schnellste natürliche Mittel gegen das Gefühl von Enge und Überwältigung. Das Gehirn bekommt Sauerstoff. Der Körper bekommt ein Signal: Du bist nicht eingesperrt. Es gibt eine Außenwelt. Du bist nicht allein damit.

Klingt nach einer Kleinigkeit. Ist aber manchmal der Unterschied zwischen einem Moment der Kontrolle und dem Gefühl, komplett überwältigt zu sein.

Eine Tasse Tee oder Kaffee – bewusst, ohne Ablenkung

3–5 Minuten · Handy weg

Das ist mein absoluter Klassiker. Eine Tasse trinken – aber wirklich trinken. Nicht nebenbei. Nicht mit dem Handy in der Hand. Nicht während ich gleichzeitig überlege, was als nächstes ansteht.

Einfach sitzen. Trinken. Wärme spüren. Das war es.

Ich weiß, wie das klingt. Wie etwas Selbstverständliches, das keine besondere Erwähnung verdient. Aber ich frage dich: Wann hast du zuletzt wirklich eine Tasse getrunken – ganz bei dir, ohne Ablenkung? Bei vielen von uns ist die Antwort: lange nicht mehr. Genau darin liegt die Selfcare: nicht im Tee, sondern in der Entscheidung, diesen Moment nur dir zu geben.

Mein Tipp: Ich habe mir eine kleine Teekiste mit meinen Lieblingstees zusammengestellt – Sorten, die ich wirklich mag und die sich für mich nach Pause anfühlen. Wenn du Inspiration suchst: 👉 [Affiliate-Link: Tee-Auswahl Entspannung/Selfcare z.B. bei Amazon] — für dich entstehen keine Mehrkosten.

Einen einzigen Satz aufschreiben – wie geht es mir wirklich?

2–3 Minuten · Zettel, Handy, Journal

Ich frage mich jeden Tag – auch an den vollen, lauten Tagen – einen einzigen Satz: Wie geht es mir gerade wirklich? Und ich schreibe die Antwort auf. Nicht ausführlich. Nicht perfekt. Einfach das, was zuerst kommt.

Manchmal ist es: Ich bin so müde. Manchmal: Ich bin eigentlich okay. Manchmal: Ich brauche Ruhe, aber ich weiß nicht wo ich sie finden soll. Es geht nicht darum, eine Lösung zu finden. Es geht darum, sich selbst zu hören. Sich selbst zu sagen: Ich sehe dich. Auch wenn gerade niemand anders fragt.

Das ist eine der kleinsten und gleichzeitig wirkungsvollsten Formen von Selbstfürsorge, die ich kenne. Weil sie dir zeigt, dass du dir selbst wichtig bist. Und das verändert mit der Zeit, wie du mit dir umgehst.

Wenn du mehr Struktur möchtest: Ein kleines geführtes Journal mit täglichen Impulsfragen kann dabei helfen, nicht jedes Mal neu anzufangen. 👉 [Affiliate-Link: Geführtes Journal / Selbstfürsorge-Journal z.B. bei Amazon] — für dich entstehen keine Mehrkosten.

Einen Moment der Stille – auch mitten im Chaos

1–3 Minuten · überall

Das letzte meiner fünf Dinge ist vielleicht das Schwierigste – weil es so gar nichts ist. Einfach kurz innehalten. Augen zu. Alles, was gerade läuft, für einen Moment stehen lassen. Keine Gedanken lösen. Kein Problem bearbeiten. Nur da sein.

Ich mache das manchmal auf der Toilette – dem einzigen Raum, in dem ich wirklich kurz allein bin. Klingt banal. Ist es aber nicht. Weil diese eine Minute Stille dem Nervensystem signalisiert: Du musst nicht immer rennen. Du darfst auch mal einfach stehen.

Und manchmal, wenn ich die Augen aufmache und weitergehe, fühlt sich der nächste Schritt einen kleinen Tick leichter an. Nicht weil das Problem weg ist. Sondern weil ich kurz bei mir war.

Was Selfcare im Alltag wirklich bedeutet – jenseits des Hochglanz-Bildes

Ich möchte noch etwas sagen, bevor dieser Artikel zu Ende geht. Etwas, das mir wichtig ist.

Selfcare ist in den letzten Jahren zu einem Marketingbegriff geworden. Duftkerzen, teure Cremes, Retreats. Das alles kann schön sein – wenn man die Mittel und die Zeit hat. Aber es ist nicht das, worüber ich hier spreche.

Die Selfcare, die ich meine, kostet nichts. Sie braucht keine Vorbereitung. Keine besonderen Produkte. Keinen freien Tag. Sie braucht nur eine Entscheidung: Die Entscheidung, sich selbst nicht immer als Letztes zu setzen.

Selbstfürsorge ist keine Schwäche und kein Luxus. Sie ist das Fundament, auf dem alles andere steht. Und du verdienst sie – nicht erst, wenn alles erledigt ist.

Für mich hat es Jahre gedauert, das zu verstehen. Jahre, in denen ich geglaubt habe, Pause sei Faulheit. Dass ich nur dann gut genug war, wenn ich nie aufgehört habe zu geben. Bis mein Körper mir gezeigt hat, dass das so nicht funktioniert.

Diese fünf Dinge hier sind klein. Aber sie haben mein Leben verändert – nicht dramatisch, nicht von heute auf morgen. Sondern leise, konstant, Schritt für Schritt. Und genau das ist der Punkt.

→  Passend dazu: 5 Dinge, die du sofort streichen darfst, wenn dir alles zu viel wird [interner Link einfügen]

Wie du heute anfängst – auch wenn du glaubst, keine Zeit zu haben

Du brauchst keinen freien Nachmittag. Du brauchst keine idealen Umstände. Du brauchst nur einen der fünf Tipps – heute. Nur einen.

Vielleicht sind es die drei Atemzüge, während du auf den Wasserkocher wartest. Vielleicht ist es die eine Tasse Tee, die du morgen früh wirklich bewusst trinkst. Vielleicht ist es der eine Satz, den du heute Abend aufschreibst, bevor du schläfst.

Such dir das aus, was sich gerade machbar anfühlt. Nicht das Perfekte – das Mögliche. Und dann mach es. Nicht für jemand anderen. Für dich.

Mein Tipp für heute: Setz dir jetzt gleich eine Erinnerung auf dem Handy – für heute in zwei Stunden oder für morgen früh. Mit dem Text: Drei Atemzüge. Nur das. Schau, wie es sich anfühlt.

→  Auch interessant: Eine Morgenroutine für Tage, an denen du keine Kraft hast [interner Link einfügen]

→  Und dazu passend: Abendritual: Wie ich meinen Tag bewusst abschließe – in 10 Minuten [interner Link einfügen]

👉 [Freebie-CTA: Sobald mein Freebie fertig ist, findest du es hier. Trag dich ein und du bekommst es als Erstes.]

Ich schreibe hier nicht als jemand, die das alles perfekt umsetzt. Es gibt Tage, an denen auch ich keine einzige dieser fünf Minuten nehme. An denen alles zu viel ist und ich einfach nur irgendwie durchkomme. Und das ist okay. Selfcare ist kein Vertrag, den man einhalten muss. Sie ist ein Angebot, das man sich immer wieder neu machen kann – auch nach langen Pausen. Gerade dann.

* Die mit Pfeil markierten Links sind Affiliate-Links. Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision – für dich entstehen dabei keine Mehrkosten. Ich empfehle nur Dinge, die ich selbst nutze oder für wertvoll halte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen